Blick auf ZwischenwahlenVerprellt Trump mit Jesus-Vergleich MAGA-Christen?
Der US-Präsident greift Papst Leo XIV. an und inszeniert sich als Heiler. Mit Blick auf den Herbst fragt sich, ob Trump damit Wähler verprellt, oder die Basis festigt.

Sich beim Papst entschuldigen? Nicht Donald Trump. Weder nimmt der US-Präsident seine verbalen Angriffe auf Leo XIV. zurück, noch gibt er zu, dass er sich als Jesus dargestellt hatte. Doch das mittlerweile gelöschte KI-Bild ist eindeutig: Neben einer betenden Frau legt Trump in weißem Gewand und rotem Umhang einem Mann im Krankenbett die heilende Hand auf die Stirn.
Ist der US-Präsident damit zu weit gegangen? Hat er mit solchen Allmachtsfantasien eine entscheidende Wählergruppe verprellt? Immerhin genießt der erste in den USA geborene Papst im Land ein besonders hohes Ansehen.
Es waren auch die Katholiken gewesen, die wie kaum eine andere Wählergruppe Trumps Wahlsieg von 2024 zementierten: Zwischen 55 und 59 Prozent der konservativen Christen gaben ihm die Stimme – mehr als jeder andere republikanische Präsidentschaftskandidat seit den 1970er-Jahren.
US-Katholiken als Swing Group
Mittlerweile sind einflussreiche Geistliche in den USA besorgt. US-Erzbischof Paul Coakley sagte, der Papst sei kein Politiker, sondern «der Stellvertreter Christi, der aus der Wahrheit des Evangeliums heraus spricht und für das Wohl der Seelen sorgt.» Und der Erzbischof von Denver, James Golka, verwies auf die katholische Lehre, die dazu aufrufe, «die Würde jedes Menschen zu achten und uns mit Höflichkeit und Respekt am öffentlichen Leben zu beteiligen».
Dass Trump dazu nicht in der Lage sei, davon scheinen immer mehr weiße Katholiken überzeugt: Viele zweifeln, dass der US-Präsident im Amt ethisch handelt, ergab eine Umfrage des Pew Research Center im Februar. Im März zeigte eine von NBC durchgeführte Umfrage zudem, dass Papst Leo deutlich beliebter ist als Trump.
Für ihn und seine Republikaner steht viel auf dem Spiel: Bei den Midterms im November müssen sie im Repräsentantenhaus eine hauchdünne Mehrheit verteidigen – eine Niederlage würde enorme politische Einschränkungen bedeuten: Trump würde zur Lame Duck (lahmen Ente) statt zum Heiland.
Zwei unterschiedliche Meinungen
Es ist gut möglich, dass der Streit mit dem Papst Trump politisch nichts kosten wird. Immerhin hatte er sich auch mit Leos Vorgänger, Papst Franziskus, jahrelang wegen der Einwanderungspolitik gezofft, ohne dass dies sich negativ auf die Unterstützung weißer Katholiken ausgewirkt hätte. Doch diesmal sei es anders, sagt Denise Murphy McGraw, nationale Co-Vorsitzende der NGO Catholics Vote Common Good. Denn Leo sei «unser amerikanischer Papst» und «nicht irgendein Typ» aus Italien, Südamerika oder Polen: «Alle sind stolz auf ihn.» Die Anwürfe gegen den Vatikan werde man Trump nicht mehr so einfach verzeihen.
Dagegen gibt es das Argument, wonach die Angriffe des Präsidenten auf einen «globalistischen», «liberalen» Vatikan dazu beitragen, die MAGA-Basis zu festigen. Denn konservative Katholiken würden in Fragen wie der Durchsetzung der Einwanderungsbestimmungen eher die Regierung als den Papst unterstützen, sagt etwa Steve Bannon, ein langjähriger Verbündeter Trumps: «Präsident Trump handelt politisch klug, wenn er so vorgeht.»
Der Streit zwischen dem Vertreter Gottes auf Erden und dem mächtigsten Mann der Welt dürfte so schnell nicht abflauen. «Er sollte sich nicht in die Politik einmischen. Ich denke, das hat er wohl gelernt», sagte Trump am Montag. Er fürchte die US-Regierung nicht und werde sich weiterhin gegen den Krieg aussprechen, antwortete ihm Papst Leo.
Papst vs. Präsident: ein alter Streit

Es war auch nicht das erste Mal, dass Trump mit einem KI-Bild unter Christinnen und Christen für Unmut sorgte: Nach dem Tod von Papst Franziskus veröffentlichte er einen Post von sich als Papst. Dass Trump ausgerechnet am Ostermontag drohte, die iranische Zivilisation auszulöschen, kam unter vielen Christinnen und Christen nicht gut an.
Papst Leo XIV. wiederum wird mitunter als «Anti-Trump» bezeichnet. Er verurteilt den Krieg gegen den Iran und den umfassenderen Konflikt im Nahen Osten und stellte sich bereits als Kardinal gegen die Migrationspolitik der Trump-Administration.
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