Dauercamper in Steinfort – «Niemand soll auf der Straße landen»

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Dauercamper in Steinfort«Niemand soll auf der Straße landen»

STEINFORT – Noch drei Wochen, dann ist der Campingplatz Steinfort Geschichte. Für einige Dauergäste rückt die Obdachlosigkeit immer näher.

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Das Schicksal der Dauercamper von Steinfort hat im Sommer viele Bürger im Großherzogtum bewegt. Weil der Campingplatz Ende Oktober für immer schließt, drohen einige der permanenten Bewohner auf der Straße zu landen - und das ausgerechnet in einem der reichsten Länder der Welt. Drei Wochen vor der Deadline ist der Bürgermeister von Steinfort, Jean-Marie Wirth (CSV), trotzdem zuversichtlich: «Wir werden bis Ende des Monats eine Lösung finden. Wir werden alles versuchen, damit in Steinfort niemand auf der Straße landen muss.»

Die Gemeinde hat sich zuletzt darum bemüht, eine Lösung für eine vierköpfige Familie aus Luxemburg mit zwei jugendlichen Kindern zu finden. Obwohl sie eigentlich gar nicht müsste, wie Wirth betont: «Denn der Campingplatz schließt ja nicht, weil wir es angeordnet haben, sondern weil die Betreiberin in Pension geht. Aber wir nehmen unsere soziale Verantwortung ernst.» Doch die Suche nach einer neuen Bleibe für die Familie aus Luxemburg verlief bisher ohne Erfolg. «Es ist bei den aktuellen Marktpreisen fast unmöglich, für solche Familien eine Wohnung zu finden, weil sie meistens arbeitslos sind und auch nicht unbedingt zu den pflegeleichtesten Mietern zählen», erzählt Wirth. Bei manchen hapert es auch an der richtigen Einstellung. «Einige sind sich der Situation noch gar nicht richtig bewusst. Die glauben, der Staat wird schon kommen und ihnen helfen.»

Sicherheitsprobleme

Das sollte sich jedoch als Trugschluss herausstellen. Nicht nur die Betroffenen, auch die Gemeinde selbst fühlt sich manchmal mit ihrem Problem im Stich gelassen. Bereits seit einem Jahr sucht man gemeinsam mit Betroffenen, der Campingplatz-Betreiberin, den Sozialämtern und der Caritas nach einer Lösung für etwa ein Dutzend Betroffene. Einige haben bereits ihre Zelte abgebrochen, andere warten in den teils vermoderten Mobilheimen auf dem Camping noch auf die Gunst des Schicksals. Dass sich manche Dauercamper trotz der Schließung des Urlaubsgeländes weigern könnten zu gehen, glaubt Wirth nicht. Schon jetzt stelle die Anlage eine Gefahr dar. «Die elektrischen Leitungen und die Wasserrohre sind teilweise in miserablem Zustand. Am 1. November werden daher alle Leitungen aus Sicherheitsgründen gekappt und das Areal gesperrt.»

In etwa zwei Jahren soll hier gemäß dem sektoriellen Leitplan ein großflächiges Wohnprojekt entstehen. Doch zuvor soll dem Campingplatz Steinfort und seinen Dauergästen noch ein angemessener Abschied bereitet werden.

(jt/L'essentiel)

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